{"id":154,"date":"2019-10-15T11:22:21","date_gmt":"2019-10-15T09:22:21","guid":{"rendered":"http:\/\/clemensweins.de\/?p=154"},"modified":"2019-10-30T10:55:29","modified_gmt":"2019-10-30T09:55:29","slug":"lob-oder-anerkennung-wir-haben-ein-priming-problem-in-der-new-work-szene","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clemensweins.de\/index.php\/lob-oder-anerkennung-wir-haben-ein-priming-problem-in-der-new-work-szene\/","title":{"rendered":"Lob oder Anerkennung? Wir haben ein Priming-Problem in der New-Work-Bubble"},"content":{"rendered":"<p>H\u00e4ufig lese ich in letzter Zeit, dass Lob nicht mehr angebracht sei, sondern Anerkennung. <a href=\"https:\/\/www.karriere.at\/blog\/lob-anerkennung.html\">Irgendwie stolpere ich immer wieder dar\u00fcber<\/a>. Da hei\u00dft es zum Beispiel: \u201eLob ist quasi ein Schulterklopfen und beinhaltet immer, dass man sich selbst \u00fcber den anderen stellt\u201c, erkl\u00e4rt Killmeyer. Anerkennung ist hingegen sehr wertvolles Feedback, das auch hierarchie\u00fcbergreifend funktioniert.&#8220; Auch Lars Vollmer behauptet: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/larsvollmer\/status\/1189124316459352064?s=12\">&#8222;Lob manifestiert Machtverh\u00e4ltnisse, denn gelobt wird immer von oben nach unten&#8220;.\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Das klingt f\u00fcr mich auch erst einmal total logisch und ich w\u00e4re der letzte, der im Zuge der New-Work-Bewegungen auf dieser Welt dagegensprechen wollte. Zu sch\u00f6n klingt es, dass wir jetzt eine L\u00f6sung haben: Lob ist tot, Anerkennung klingt irgendwie besser und komplexer! Jetzt kann es weitergehen.<!--more--><\/p>\n<p>Trotzdem: Ich habe dann mal nachgeschlagen, wo denn der feine Unterschied in der Wortbedeutung zwischen Lob und Anerkennung ist. Ich habe den Duden aufgeschlagen und hier steht:<\/p>\n<ol>\n<li>Lob:\u00a0anerkennend ge\u00e4u\u00dferte, positive Beurteilung, die jemand einem anderen, seinem Tun, Verhalten o.\u00a0\u00c4. zuteilwerden l\u00e4sst. Synonyme: u.a. Anerkennung.<\/li>\n<li>Anerkennung:\u00a0W\u00fcrdigung, Lob, Achtung, Respektierung; 2a. [offizielle] Best\u00e4tigung, Erkl\u00e4rung der G\u00fcltigkeit, \u20262b. Billigung, Zustimmung. Synonyme: u.a. Lob.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Geht es nur mir so, oder erkenne ich hier weder einen feinen Unterschied noch irgendeine Form von mehr oder weniger &#8222;Schulterklopfen&#8220;? Lob und Anerkennung ist das Gleiche. Aber woher kommen dann diese h\u00e4ufigen Aussagen, dass Lob von oben herab sei, veraltet oder patriarchisch wo hingegen Anerkennung auf Augenh\u00f6he geschehe?<\/p>\n<p><strong>Priming &#8211; wir k\u00f6nnen uns nicht davor entziehen!<\/strong><\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr ist <a href=\"https:\/\/www.neuronation.de\/gedaechtnistraining\/priming-wie-koennen-sie-es-nutzen\">das sogenannte Priming<\/a>. Je \u00f6fter wir von etwas reden, je \u00f6fter Erinnerungen mit einem Wort in Verbindung \u00a0gebracht werden und dar\u00fcber gesprochen wird, bringen wir am Ende das Wort mit den kollektiven Erinnerungen in Verbindung. Ein Beispiel? Viele Betriebe waren und sind streng hierarchisch organisiert &#8211; pyramidenartig. Es gibt einen Chef ganz oben und nach unten hin wird bestimmt. Das ist erst einmal weder gut oder schlecht sondern ein Fakt. Im Zuge dieser Organisationsstruktur war es \u00fcblich, dass von oben nach unten Anweisungen gegeben wurde, getadelt und gelobt wurde. Das Lob, also die Anerkennung eines Untergebenen gegen\u00fcber, war ein Instrument der Mitarbeitermotivation. Und hier kommen wir zum Pudel, ehm Kern des Missverst\u00e4ndnisses.<\/p>\n<p>Das Missverst\u00e4ndnis liegt in der manipulativen und zielgerichteten Nutzung einer lobenden Rhetorik wie &#8222;Hast du gut gemacht, so weitermachen!&#8220; und eines ernstgemeinten Lobs wie &#8222;Mich beeindruckt deine Beharrlichkeit. Du hast dieses Projekt alleine durchgezogen, der Kunde ist super zufrieden. Daf\u00fcr meine h\u00f6chste Anerkennung!&#8220;<\/p>\n<p>Durch den Rat, loben Sie mal mehr ihre Mitarbeiter, haben Chefs schon vor Jahrzehnten damit begonnen, Mitarbeiter zu loben. Nicht, weil sie es so meinten, sondern weil Lob die Mitarbeitermotivation f\u00f6rdert und damit am Ende den Umsatz. Deswegen muss man ja loben. So wurde das &#8222;Lob&#8220; zu einer leeren Worth\u00fclse und die Erfahrung hinter dem Lob befremdlich. Es schlich sich das Gef\u00fchl ein: Chef lobt mich wieder, damit ich \u00dcberstunden mache. Chef lobt mich wieder, weil er es im Kalender stehen hat \u00a0&#8211; jeden zweiten Montag im Monat Mitarbeiter loben.<\/p>\n<p>In dieser Welt kann man verstehen, warum Menschen das Lob als Instrument eines mir Vorgesetzten verstehen, einer von oben herab genutzten Methode und nicht als das, was es sein sollte: Anerkennung!<\/p>\n<p>Das wird der Grund sein, warum man sich vom Wort &#8222;Lob&#8220; distanziert und das Wort Anerkennung in den Vordergrund r\u00fcckt. Dennoch &#8211; streng genommen ist es falsch. Zumal ein Lob mitnichten von oben herab ist. Sonst g\u00e4be es in der Religion auch kein Lobpreisen an den einen Herrn. Damit stellen sich die Gl\u00e4ubigen nicht \u00fcber Gott*, nein, sie erkennen ihn an. So ist ein Lob an den Chef* genauso m\u00f6glich und ein Schulterklopfen im richtigen Kontext kann auch was sehr sch\u00f6nes sein! Solange das Lob auch wertsch\u00e4tzend, ehrlich und anerkennend gemeint ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<pre>*Nein, ich stelle Gott nicht mit einem Chef pauschal gleich, obwohl in dem einen oder anderen Betrieb hier und da religi\u00f6se Muster zu erkennen sind, wenn es um \"den Chef\" geht<\/pre>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4ufig lese ich in letzter Zeit, dass Lob nicht mehr angebracht sei, sondern Anerkennung. Irgendwie stolpere ich immer wieder dar\u00fcber. Da hei\u00dft es zum Beispiel: \u201eLob ist quasi ein Schulterklopfen und beinhaltet immer, dass man sich selbst \u00fcber den anderen stellt\u201c, erkl\u00e4rt Killmeyer. 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